Verzauberung im Romfahrtsexpress
Noch bevor wir einander verdächtigen, misstrauen und miteinander lachen konnten, mussten wir einen Weg nach Rom finden. Glücklicherweise führte uns einer dieser ominösen Wege über München und Bologna direkt ins Herz Italiens. Nach knapp 20 Stunden Bahnfahrt standen wir wieder auf eigenen Beinen, zogen die Koffer hinter uns her und bezogen die Zimmer unseres Hotels. Verschlafen, verschwitzt und voller Entdeckungslust begannen wir den Nachmittag mit einer Portion italienischem Gelato, ehe uns die Rallye der Freizeit überkam. Wir gingen am Kolosseum, am Forum Romanum und am Monumento a Vittorio Emanuele II. vorbei bis zum Pantheon. Vor Ort erlebten wir La Dolce Vita und fanden den Weg in eines der unzähligen Restaurants Roms. Doch dort erwischte es das erste Opfer unserer kleinen Intrige – unserer Verzauberung. Zu Beginn der Reise zog jeder Mitreisende einen Namen und einen Gegenstand, mit dem er oder sie einen der Mitspieler „verzaubern“ musste. Dieser schied nach seiner Verzauberung aus dem Spiel aus.
Und so dauerte es nur bis zum ersten Abend, bis ein Salzstreuer genügte, um einen Konkurrenten auszuschalten. Das klingt mindestens so sehr nach Postillon wie die Schlagzeilen unserer Zugfahrt:
„00:45 Uhr Achtzehnjähriger Forrest Gump auf Abwegen“ und „03:34 Uhr Mann nach Rave klinisch tot und wieder lebendig“.
Ebenso verwunderliche Verzauberungen folgten an den nächsten Tagen: „Mann nimmt Stein von der Straße in die Hand und wird unter dem Konstantinsbogen verzaubert“ oder „Erster Gladiator im Jahr 2026 gefallen“.
Das Frühstück wurde in den folgenden Tagen schnell heruntergeschlungen, und wir machten uns auf eine große Entdeckungstour auf den Spuren der antiken Römer. Zwischen Forum Romanum, Kolosseum, Trastevere und viel zu viel Kopfsteinpflaster entwickelten wir eine unausgewogene Vorliebe für Gelato, Pizza, Tiramisu und Pasta, während einige ihrer Verzauberung erlagen, sei es mit einem Kartendeck, einem iPad oder einem Reiseführer. Am dritten Tag konnten sich alle, die noch nicht verzaubert waren, in den beeindruckenden Ruinen von Ostia Antica verstecken. Am vierten Tag boten uns der Vatikan und die facettenreichen Vatikanischen Museen vor strömendem Regen und heftigem Gewitter Unterschlupf.
Und schneller, als dieser Bericht gelesen ist, war die Romfahrt leider auch schon wieder vorbei. Einige konnten dem Spiel-Zauber entgehen, aber alle waren allein von Rom im Herzen verzaubert. Nun hieß es Abschied nehmen und zwanzig Stunden später Hannover begrüßen.
Justus, Jg. 13















