Zur Geschichte der ersten Schillerschule in Hannover 1878 - 1943

Aus dem Jahrbuch 1962: Aula der alten Schillerschule am Clevertor 3-4

Die Geschichte der Vorgängerin unserer Schillerschule begann 1878 mit dem Beschluss des Magistrats der Bürgerschaft der Stadt Hannover, eine zweite weiterführende Schule für Mädchen zu gründen. Die Stadt Hannover besaß mit der heutigen Wilhelm-Raabe-Schule, die auf eine „Königliche Hof-Töchter-Schule“ zurückgeht, zu jener Zeit nur ein öffentliches Mädchengymnasium. Deshalb war dieser Beschluss bemerkenswert fortschrittlich, denn in Preußen hatte bis dahin eine über die Volksschule hinausgehende Mädchenbildung fast ausschließlich an Privatschulen stattgefunden. Er war ein Indiz für den erfolgreichen Kampf der Frauen um gymnasiale Bildung und Studium in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die zunächst noch „Höhere Töchterschule 2“ genannte Schule wurde provisorisch in der städtischen Bürgerschule 9 in der Hagenstraße im Süden des Stadtteils Vahrenwald (heute Raiffeisenstraße/Ecke Lüdersstraße) untergebracht. Dort begannen 26 Schülerinnen am 22. April 1879 den Unterricht. An den Plänen für den Schulneubau kritisierte der damalige Direktor Mertens, dass „ein Zeichensaal, ein Physikzimmer mit Nebenkabinett, eventuell eine 10. Klasse fehle, und die Aula (...) zu klein“ sei. Der 1879 begonnene Neubau in der Nordstadt (An der Christuskirche 28) konnte schon Ostern 1881 bezogen werden, musste aber bereits 1885 erweitert werden. Grund hierfür war, dass sich nach der Neuregelung der Schulbezirke alle Mädchen, die nördlich der Linie Goethestraße - Schillerstraße - Lister Meile - Eilenriede wohnten und eine weiterführende Schule besuchen wollten, sich hier anmelden mussten. So wurde 1888 die für damalige Verhältnisse beachtliche Zahl von 387 Schülerinnen erreicht.

Die Geschichte der Vorgängerschule zeigt, dass Raumnot und Umzugsstress keine neuen Erscheinungen im Schulleben sind. Auch andere Sorgen, die wir heute noch haben, plagten die Kollegen schon damals. In einer „Bitte an die Eltern“ hieß es 1887/88: „Wir bitten die Eltern, mit ihren Gesuchen um Verlängerung der Ferien und um Dispens von einzelnen Stunden möglichst sparsam zu sein und nur in wirklich dringenden Fällen solche an die Direktion zu richten. Die Schülerinnen bleiben zu sehr hinter den Anforderungen zurück, und die Versetzungsnot ist daher oft eine recht große. Von dem Handarbeitsunterrichte kann nur auf ein Zeugnis des Arztes dispensiert werden.“

Postkarte einer ehemaligen Schülerin: Clevertor 3-4

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums 1904 erfolgte die Namensgebung „Schillerschule“. Ein Schlaglicht auf den Sinn, den man gymnasialer Bildung von Frauen in dieser Zeit beimaß, wirft ein Auszug aus einer Ansprache anlässlich des Geburtstages von Kaiser Wilhelm II. am 27. Januar 1904: „Ein Mädchen ist ebensoviel wert wie ein Knabe, es kann ebenso gut lernen wie ein Knabe; es kommt bei dem Mädchen ebenso darauf an, dass es etwas Tüchtiges lerne. Damit will ich nicht sagen, dass das Mädchen dasselbe lernen soll wie der Knabe, der auf die Universität oder Hochschule gehen will, um einen gelehrten Beruf zu ergreifen. Selbstverständlich kann auch ein Mädchen das Maturitätsexamen (Abitur, d. Verf.) machen und auf der Universität studieren, und viele Mädchen haben schon bewiesen, dass sie es ebenso gut können wie die Knaben. Aber wir hoffen doch, dass es immer nur einzelne sein werden. Die Mehrzahl wird -das hoffen wir- keinen gelehrten Beruf suchen; einen Beruf soll und muss aber jede einzelne von euch im späteren Leben haben, und auf den soll die Schule vorbereiten und tut es auch (...). Die deutsche Mutter ist es! Zu deutschen Müttern heranzubilden ist nun freilich die Aufgabe aller Mädchenschulen; die höhere Mädchenschule muss euch aber auch zu deutschen Frauen heranbilden, die durch eine höhere, durch eine wissenschaftliche Bildung Führerinnen des Volkes werden können, die die großen Aufgaben verstehen, die Deutschlands Kaiser zu lösen hat (...)“.   

Aufgrund von Raummangel wurde die Schillerschule 1914 von der Christuskirche in das Gebäude der ehemaligen Oberrealschule „Am Clevertor 3 – 4“ verlegt, wo sie sich bis zur Zerstörung durch alliierte Bomben im 2. Weltkrieg (1943) befand. Kurze Zeit wurde der Unterricht in Räumen der Goetheschule fortgesetzt, bis auch diese zerstört wurde. Schülerinnen dieser ersten Schillerschule fühlten sich unserer Schule nach der Neugründung 1954 verbunden und haben die Ausstattung durch Spenden wohlwollend unterstützt.